von Enrico Sommerweiß, Leitung Consulting, k+k information services GmbH

Ideen und Lösungen für das deutsche Bildungssystem

 

Ein Bericht über die Bildungsmessen LEARNTEC 2018 und didacta 2018

Als Dienstleister und aktiver „Digitalisierer“ von Prozessen und Unternehmen sind wir seit vielen Jahren auf verschiedenen Messen in Deutschland und Europa unterwegs und aktiv. Dabei haben wir uns in der Vergangenheit sehr stark auf große Technologie- und branchenspezifische Messen im Bereich des Informationsmanagements konzentriert.

Lerninnovationen begrüßen

Nachdem das Thema Digitalisierung und Informationsmanagement in der Bildung eine immer größere Präsenz erfährt, haben wir damit begonnen entsprechende Messen zu besuchen. Diese finden typischerweise zu Beginn eines Jahres statt. Der Auftakt der Messeveranstaltungen erfolgt im Januar mit der „bett“ in London, die gleichzeitig die größte Messe für Bildungstechnologie ist, und findet seine Fortsetzung im Februar mit der „LEARNTEC“ in Karlsruhe und der „didacta“, die man zumindest für Deutschland als Leitmesse bezeichnen kann.

In diesem Jahr haben wir die LEARNTEC und die didacta besucht.

LEARNTEC 2018 – der Umbruch im Bildungssystem mit deutlichen Auswirkungen auf die Messe

Der Veranstalter der LEARNTEC bezeichnet die Messe selbst als Leitmesse der digitalen Bildung. Neben den klassischen Ausstellern in verschiedenen Hallen wird ein umfangreiches Messe-, Rahmen- und Kongressprogramm angeboten.

Von den drei genannten Veranstaltungen ist die LEARNTEC die kleinste Messe. Für die diesjährige Veranstaltung bedeutete das: 7.500 Fachbesucher, 280 Aussteller, 15 Nationen, 16.000 qm Messefläche.

Relativ schnell war klar: Genau wie der Bildungsbereich an sich ist auch die LEARNTEC im Umbruch oder zumindest in einer Neufindung. Ursprünglich mit dem klaren Fokus auf die betriebliche und berufliche Weiterbildung sowie e-Learning wurde in diesem Jahr verstärkt der Bereich der schulischen Bildung angesprochen.

Der Start einer Messe beginnt mit einem Blick in den Messekatalog, um einen ersten Überblick oder eine thematische Abgrenzung zu erhalten. Aus einem Verzeichnis mit rund 50 Produktkategorien, die mehr oder weniger die aktuellen Trends widerspiegeln, haben wir einige für uns interessante Anbieter herausgefiltert.

Einige der Anbieter waren in nahezu jeder Kategorie zu finden. Die Vielzahl der Kategorien führt aus unserer Sicht zu einer großen Unübersichtlichkeit, vielleicht wäre hier weniger mehr.

Auf der Messe wurden neben Hard- und Software auch Konzepte und Dienstleistungen vorgestellt. Am häufigsten waren die Themen wie Lernmanagementsysteme (LMS), Lernportale, Autorentools, virtuelle Klassenzimmer und Lernprogramme zu entdecken, aber auch Anwendungen für Talent Management und Performance Support sowie Online-Bildungseinrichtungen und Anbieter von VR- und 3D-Lernwelten.

Was uns schon im Katalog aufgefallen war – es schien, als wären viele Unternehmen daran interessiert möglichst alle Themenfelder abzudecken, was dazu geführt hat, dass auf Nachfrage nach speziellen Themen, Inhalten und Methoden rund um digitale Bildungs- und Lernprozesse die erwartete Expertise oder das Konzept nicht vermittelt werden konnte .
Ein auf die Problematik angesprochener Aussteller berichtete uns von dem unguten Gefühl, unter Umständen einen Trend verpassen zu können. Denn die allgemeine Digitalisierungsdebatte, wie auch bei der aktuellen Regierungsbildung zu sehen, stand Pate für die Getriebenheit mit der sowohl die Hersteller auch als auch die Interessenten das Thema angingen.

Das Messe- und Rahmenprogramm lies eine interessante Demonstration erleben, wie individuelle Lern- und Wissenseinheiten gezielt, kontextbezogen und zielgruppenadäquat dem richtigen Empfänger zum richtigen Zeitpunkt vermittelt werden. Auch eine Vielzahl von „digitalen Pannen“ war zu bestaunen, so dass der Eindruck entstand, dass die Digitalisierung nicht nur für die Messebesucher neu ist.

In Halle 1 befand sich die Start-Up-Area. Hier haben sich 20 junge Unternehmen auf einem Gemeinschaftsstand präsentiert. Sechs der Start-Ups hatten an unserem Besuchstag die Gelegenheit bei einem „Pecha Kucha“ ihre Idee innerhalb von 6:40 min vorzustellen. Das „Navigationssystem für Software“ und das „Verhaltens- und Kommunikationstraining via E-Learning-App“ hat uns persönlich am besten gefallen. Innovativ war es, anschließend per App für den besten Vortrag abzustimmen, leider nur für Android Nutzer…

Fazit

Aus dem Bereich Informationstechnik kommend konnten wir feststellen, dass das Thema Digitalisierung erst langsam im Bildungsbereich Einzug hält und oftmals sowohl Anbieter als auch Interessenten überfordert wirkten. Dies mag an den unterschiedlichen Zielgruppen, zum einen aus der beruflichen bzw. betrieblichen Bildung sowie e-Learning und der schulischen Bildung auf der anderen Seite, gelegen haben.

Alles in allem bleibt ein positiver Eindruck, den die Messe als Austausch- und Informationsplattfom hinterlassen hat. Wir werden die Messe auch 2019 aufsuchen und sind gespannt, wie das herausfordernde Motto „LEARNTEC – Europe‘s #1 in digital learning“ umgesetzt wird.

didacta 2018 – intensiver Austausch zwischen Besuchern und Ausstellern

Im jährlichen Wechsel findet die didacta seit dem Jahr 1999 an den Standorten Köln, Stuttgart und Hannover statt. In diesem Jahr mit dem Claim „Bildungsgipfel im Flachland“ versehen, machten wir uns auf den Weg nach Hannover.
Im Vergleich zur LEARNTEC ist die Messe deutlich größer. Für das Jahr 2018 betrachtet bedeutet das:

  • 840 Aussteller
  • 73.000 Besucher
  • 33.000 m² Ausstellungsfläche in 3 Hallen
  • 1400 Vorträge und Workshops

 

Wir hatten uns das Ziel gesetzt, die aktuelle Situation der Branche im Kontext der anstehenden massiven Veränderungen im Schulsystem zu beobachten.

Ein wesentlicher Unterschied zur LEARNTEC war, dass sowohl aus dem klassischen Bildungssektor als auch aus dem Bereich der Informationstechnik alle großen Spieler vor Ort waren. Neben den drei großen Bildungsverlagen in Deutschland (Westermann Gruppe, Cornelsen Verlag und Ernst Klett Verlag) konnte man auch „IT-Schwergewichte“ wie Microsoft, Adobe und Google antreffen, in Erweiterung durch viele Anbieter unterschiedlichster Größe. Die Aufteilung der Inhalte in drei Hallen funktionierte gut.

  • Halle 11: Frühe Bildung und Schule
  • Halle 12: Schule und Hochschule
  • Halle 13: Berufliche Bildung und das Special: didacta digital

 

Unser Fokus lag dabei primär auf den Hallen 12 und 13.

In Halle 12 trafen wir hauptsächlich auf die klassischen Schulbuchverlage. Auf sehr großen Ausstellungsflächen wurden die Angebote der Verlage präsentiert. Im Vergleich zur didacta 2017 spielte bei den Verlagen der digitale Sektor eine große Rolle. Aufgefallen ist uns der Verlag Westermann, der offensichtlich schon deutlich die Ausrichtung auf das digitale Zeitalter vorgenommen hat.

Fazit

Ein Großteil der gezeigten Lösungen war inhaltlich und didaktisch sehr gut, jedoch wurden viele der interessanten Lösungen und Angebote in eigenständige Apps oder Portale gepackt, so dass nur eine geringe Integration in bestehende Angebote vollzogen wurde. Deshalb empfehlen wir den Anbietern dringend an der Integration zu arbeiten, da ansonsten die Gefahr besteht, dass ein didaktisch gutes Produkt durch Benutzerunfreundlichkeit nicht angewendet wird.

Erwähnenswert hinsichtlich der Undurchsichtigkeit des Marktes ist bspw. der Begriff „Schulcloud“. Es gibt eine Vielzahl konkurrierender Angebote mit identischen Namen von unterschiedlichen Anbietern.

Im technologischen Bereich hat man aus dem Vorjahr gelernt und die Richtung war klar erkennbar. Alle Anbieter haben in den vergangenen 12 Monaten deutlich an ihren Angeboten gearbeitet. Bei den Start-Ups gab es einige gute Ideen und Entwicklungen, die es bei uns auf die Beobachtungsliste geschafft haben und die wir im Nachgang noch detailliert testen werden.

Beim Weg durch den Digitalisierungsdschungel zu unterstützen, war das Ziel von zahlreichen Initiativen; hier fällt es allerdings schwer den Überblick zu behalten.

Im Bereich der digitalen Whiteboards konnten wir eine Veränderung wahrnehmen. Die Beamer- und kamerabasierten Lösungen spielen nur noch eine untergeordnete Rolle. Die via Touch bedienbaren und mit Kameras ausgestattenden Großdisplays von 65“ bis jenseits der 100“ Größe werden zum Standard. So sind sie für die Umsetzung neuer Bildungsinhalte genauso einsetzbar wie für moderne standortübergreifende Teamkommunikation.

Blick auf die Gegenwart

Bei all den Unterschieden hinsichtlich der Veranstaltungen im vergangenen und diesem Jahr blieb eines gleich: Die leuchtenden Augen der Kinder bei den Workshops unserer Partnerinitiative "Code your Life" auf der Messe didacta in Hannover.

 

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