von Olaf Schmidt, Geschäftsführer, k+k information services GmbH

10 Einsatzmöglichkeiten der Blockchain im Automotive Business

Blockchain im Automotive Business

Der Bestand an vernetzten Autos, der im Jahr 2020 auf der ganzen Welt unterwegs sein wird, wird auf 250 Millionen geschätzt. Jedes dieser vernetzten Fahrzeuge ist mit mehr als 200 Sensoren ausgestattet. Diese Sensoren liefern Informationen über den Straßenzustand, das Fahrzeug sowie die Verhaltensdaten und Präferenzen des Fahrers. Diese unglaubliche Masse an Daten gilt es sicher zu verwalten und zu transportieren - hier kommt die Blockchain-Technologie ins Spiel.

Die vernetzten Fahrzeuge ermöglichen es sowohl Fahrern als auch Fahrgästen, während der Fahrt mit der Außenwelt verbunden zu bleiben. Während bisher z.B. Karteninformationen hauptsächlich aus GPS-Daten, angereichert mit statischen Informationen bestand, kann das vernetzte und kommunizierende Fahrzeug spezifische Daten in Echtzeit empfangen und senden. Über das Infotainmentsystem des Autos können die Passagiere Informationen als Text, Audio und Video von Ereignissen überall auf Welt, Live und in Farbe erhalten. Sie können mit dem Internet agieren und die Daten mit Augmented Reality (AR) Anwendungen erweitern.

Neben der Echtzeitkommunikation müssen diese Fahrzeugsysteme regelmäßig gewartet und mit neuen Funktionen versehen werden. Das bedeutet, dass bei der Vielzahl von Sensoren eine Vielzahl von System-Updates notwendig sind. Damit die Systeme zeitnah aktuell gehalten werden, müssen die Aktualisierungen über die Luft empfangen werden (OTA).

Der Einsatz der Blockchain-Technologie zur Lösung der Herausforderungen, die die zunehmende Konnektivität der Fahrzeuge mit sich bringt, ist nicht nur eine Option, sondern eine Notwendigkeit, denn selbst wenn es eine bessere Lösung gibt, hat sie noch niemand vorgeschlagen. Zusätzlich wandelt sich die Mobilität zunehmend vom individual gelenkten Fahrzeug über teilautonome Systeme hin zum selbstfahrenden autonomen Auto. Dadurch wird der Bedarf an ein hohes Sicherheitsniveau weiter zunehmen.

Die Zahlreichen Vorteile der Blockchain Technologie eröffnen eine Vielzahl von Möglichkeiten für die Automobilindustrie. In diesem Beitrag stellen wir Euch 10 Anwendungsfälle, als Beispiel von einer Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten im Automotive-Bereich, vor.

1. Sichere Fahrzeugdaten

Je vernetzter ein Fahrzeug ist, desto anfälliger wird es für potenzielle Cyberangriffe. Die Folge: Das Vertrauen in Daten, die von Steuergeräten von Fahrzeugen (eigene und verbundene) stammen muss gegeben sein, sodass alle Daten, von den Steuergeräten bis zu Cloud-basierten Diensten sicher übertragen werden. Die Blockchain-Technologie bestätigt hierbei die eindeutige ID jedes Fahrzeugs bzw. jedes Geräts, um diese zu aggregieren und jede Datenübertragung zu verfolgen. So hat erst kürzlich GM ein Patent für die Verarbeitung von Fahrzeugdaten in der Blockchain erhalten.

2. Intelligente Verträge – „Smart Contracts“

Smart Contracts sind Programme, die in Blockchain eingebunden werden und den Handel von Wertsachen nach fest definierten Regeln automatisieren. Es ist dabei egal, ob es sich um Währungen, Aktien, Dokumente, Informationen oder jede andere Ware handelt.

In der Automobilindustrie können Smart Contracts z. B. in sogenannten Fertigungsblockchains eingebettet werden, um Bestellungen in bestimmten Phasen des Fertigungsprozesses automatisch freizugeben. Dies ermöglicht, dass die Aufträge automatisch an Lieferanten vergeben und abgerechnet werden. Denkbar sind auch Carsharing Modelle über smart contracts abzubilden.

3. Fahrzeuglogistik – Digitaler Frachtbrief

In einem digitalen Frachtbrief sind alle Stufen des Logistikprozesses enthalten. Von der Freigabe in der Fabrik, über die Verladung bis zur Übergabe an den Händler.

Mit Hilfe von Smart Contracts wird eine fälschungssichere Relation zwischen Fahrzeug, Transaktion, GPS-Daten und Zeit hergestellt. So kann die Gültigkeit eines Frachtbriefes eindeutig überprüft werden.

Ein digitaler Frachtbrief wird z.B. bei der Firma MOSOLF eingesetzt.

4. Intelligente Wartung

Eine der aus meiner Sicht interessantesten Anwendungen ist die Kopplung an ein Onboard-Diagnosegerät (OBD). Hierüber kann der Zustand des Fahrzeugs überwacht, die Wartungsintervalle verkürzt und die Reparaturen bedarfsgesteuert durchgeführt werden. Über die Blockchain werden die Ergebnisse sicher und eindeutig den benötigten Ersatzteilen zugeordnet und an eine Werkstatt übermittelt.

Die Folge sind verkürzte Servicezeiten sowie eine bessere Planbarkeit der Ersatzteilbereitstellung und Wartungsumfänge. So arbeitet z.B. der VW-Konzern an solchen Lösungen.

5. Automobilproduktion

Eine „Produktionsblockchain“ kann z.B. Prüfprotokolle enthalten, die während des gesamten Herstellungsprozesses erzeugt wurden – inkl. verbauten Komponenten und anderen Fertigungsdaten. Hierdurch werden alle Fertigungsinformationen für jede Baugruppe von Anfang bis Ende gespeichert.

 

6. Finanztransaktionen

Über die Blockchain werden Finanztransaktionen als sogenannte Micropayments direkt, automatisiert und sicher abgewickelt. Dies geschieht z. B. für Maut, Karten- und Navigationsdienste und Ladevorgänge für E-Fahrzeuge. Hierfür entwickeln einige Automobilhersteller spezielle „Car Wallets“, über die Transaktionen abgewickelt werden können.

7. Infotainment

Moderne Fahrzeug-Infotainmentsysteme bieten eine Vielzahl von Mehrwertdiensten, die auf eine Vielzahl von Datenlieferanten angewiesen sind. Um sicherzustellen, dass die Anbieter auch die sind, für die sie sich ausgeben sowie Daten sicher übertragen und abgerechnet werden, bietet sich die Nutzung einer Blockchain an.

8. Telematikdienste

Telematik – also die Kombination aus Telekommunikation und Informatik – umfasst im Fahrzeug unter anderem softwarebasierte (Online-)Navigation, Fahrzeug zu Fahrzeug oder Fahrzeug zu Infrastruktur-Kommunikation und eine Vielzahl weiterer Dienste, die sich auf die Sicherheit der Passagiere und des Fahrzeugs auswirken können.

Damit die angebundenen Systeme das leisten können was sie sollen, müssen die von Telematiksystemen gesendeten und empfangenen Daten sicher übertragen und aufbewahrt werden. Systemfremden darf es nicht möglich sein, diese Daten einzusehen oder gar zu verändern. Auch hier ist die Blockchain ideal geeignet.

9. Internet der Dinge - IoT

Angrenzend an die Telematiksysteme, bilden die Vielzahl der internen und externen vernetzten Sensoren, Steuergeräte und Systeme die Basis, mit der die Mobilitätsteilnehmer von morgen interagieren. Da diese zunehmend dazu eingesetzt werden, den Verkehr nicht nur zu überwachen, sondern auch zu steuern, wird die Notwendigkeit von Datensicherheit deutlich.

10. Kfz-Versicherungen

Versicherungsgesellschaften nutzen die Blockchain, um die Prämien auf der Grundlage des tatsächlichen Fahrerverhaltens festzulegen.

Über Telematikdienste sind Versicherungsunternehmen in der Lage, Fahrerstandort, Fahrdauer, Beschleunigungs- und Bremsverhalten, Fahrzeuggeschwindigkeit und anderen Informationen zu erfassen um ihre Verträge entsprechend zu optimieren. Die Blockchain bietet hier die Möglichkeit, die erfassten Daten sicher und unverändert zu transportieren.

Fazit

Die Verbindung von Blockchain- und Automobiltechnologien bietet eine Vielzahl von Lösungen für die Herausforderungen an die Mobilität der Zukunft - insbesondere der zunehmenden Vernetzung und Interaktion aller Beteiligten. Aus unserer Sicht wird die Blockchain-Technologie in sämtliche Innovationen und Lösungen zukünftiger Geschäftsmodelle im Automotive Business Eingang finden. In diesem Moment entsteht die Basis der Blockchain-basierten Automobilindustrie, auf der fast täglich neue Anwendungsmöglichkeiten geschaffen werden.

Blockchain Basics

Blockchain ist immer Thema, sobald es um die Digitalisierung im Automotive Sektor geht.

Was steckt also hinter dieser Technologie? Die Blockchain beschreibt eine öffentlich zugängliche, dezentral gespeicherte Datenbank, die eine konstant wachsende Menge an Transaktionsdatensätzen enthält, von der immer eine bestimmte Menge in Blöcken abgespeichert werden. Diese Blöcke bestehen aus mehreren digital gespeicherten Informationen einer Transaktion, wie z.B. Datum, Uhrzeit, Betrag, ID der Beteiligten sowie einem einzigartigen Code (Hash), wodurch sich jeder Block von allen anderen unterscheidet.

Verwaltet wird eine solche Blockkette verschlüsselt auf den Rechnern aller Teilnehmer der Transaktion. Jede Transaktion muss von einer Vielzahl der Rechner bestätigt werden. Dadurch ermöglicht die Blockchain eine umfassende Transparenz und Sicherheit zwischen den einzelnen Transaktionspartnern.

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