von kuk-is Blogteam

Eine KI macht nur das, wofür sie programmiert wurde

Im Gespräch mit Prof. Dr. Carsten Ullrich - Teil 2

Im zweiten Teil unseres Experteninterviews gehen wir der Fragen nach, wie KI uns hilft, unsere Arbeitsqualität zu verbessern. Außerdem: Worin unterscheiden sich künstliche und natürliche Intelligenz? Wie können sich beide einander ergänzen? Ein kurzweiliges Gespräch mit interessanten Aspekten zum Thema Künstliche Intelligenz – mit Pascal Lottmann, Professor Dr. Carsten Ullrich und seiner Katze.  

Carsten Ullrich ist Professor an der Steinbeis-Hochschule in Berlin, wo er einen Lehrstuhl für Künstliche Intelligenz innehat. Darüber hinaus ist er Senior Director Artificial Intelligence bei der CENTOGENE GmbH. Den ersten Teil dieses Gesprächs kannst Du hier nachlesen.
Das Gespräch mit ihm führte Pascal Lottmann, Manager für Digitale Produkte bei der k+k. Die Aufzeichnung des zweiten Interview-Teils kannst Du Dir hier ansehen:

Wird KI in Zukunft Arbeitsplätze ersetzen und sind die Sorgen der Arbeitnehmer*innen berechtigt?

Künstliche Intelligenz kann durchaus darauf ausgerichtet werden, Arbeitsplätze abzubauen bzw. Handlungsspielräume zu beschneiden. Jedoch besteht auch die Möglichkeit, dass KI monotone Routinearbeiten übernimmt, sodass sich Arbeitnehmer*innen auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und dadurch kreative und produktive Arbeitsprozesse gefördert werden können. Bei CENTOGENE automatisieren etwa Regeln das Extrahieren und Übertragen von Daten aus PDF-Dokumenten. So können unliebsame Aufgaben, die Personal binden und noch dazu keinen Spaß machen, ethisch vertretbar auch durch KI erledigt werden.

Allerdings gibt Carsten Ullrich zu bedenken, dass es an uns Menschen selbst liegt, wie wir die gewonnene Zeit nutzen, die uns KI verschafft. Wir können sie nutzen, um sie quantitativ mit neuen Aufgaben zu füllen (also noch mehr in kürzerer Zeit zu schaffen) oder um die Qualität unserer Arbeit langfristig zu verbessern. Denn: „Eine KI macht nur das, wofür sie programmiert wurde. Der Mensch entscheidet, wie die gewonnene Zeit verwendet wird."

In welchen Bereichen wird der Mensch der KI immer überlegen bleiben? 

Das Projekt "AlphaGo" zeigt sehr gut auf, wozu Künstliche Intelligenz in der Lage ist - oder eben auch nicht. Bei diesem Projekt spielt ein KI-Algorithmus das japanische Brettspiel "Go" besser, als der Mensch je in der Lage dazu wäre. Ermöglicht wurde dies jedoch ausschließlich durch den Selbstlerneffekt in 30 Millionen Spielen und einem Spielbrett mit 19 x 19 Feldern. Vergrößerte man das Spielfeld nur minimal auf 20 x 20 Felder, wäre die KI nicht mehr in der Lage, das Spiel auszuführen. Im Gegensatz dazu kann sich der Mensch problemlos an Vergrößerungen einer Aufgabenstellung bzw. an den Schwierigkeitsgrad anpassen. Anders ausgedrückt: Für den Mensch bedeutet eine Aufgaben-Erweiterung lediglich eine Modifikation, wohingegen die KI vollständig neu trainiert werden müsste. Garri Kasparow ist ein guter Schachspieler und  gilt auch als guter Stratege auf politischer Ebene. Hierin besteht der große Unterschied zwischen KI und NI (Natürliche Intelligenz): KI kann eine kleine Aufgabe mit großen Datenmengen sehr gut performen, aber die Ergebnisse des Selbstlernens einer KI können nicht auf andere Aufgaben übertragen werden.

Wie können sich NI und KI einander ergänzen?

Ein KI-Projekt setzt immer einen Business-Partner voraus, welchesr ein spezifisches Problem zu lösen hat. An dieses Problem wird ein Team von KI-Experten angesetzt, welches ermittelt, welche Algorithmen für die Problemlösung sinnvoll eingesetzt werden können. Hierdurch entsteht eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, bei der einer von dem anderen lernt und dadurch Dinge geschaffen werden, die ohne KI nicht möglich gewesen wären. Dabei ist die Erkenntnis wichtig, dass KI niemals dem Selbstzweck dient. Es kommt immer wieder vor, dass sich bestimmte Aufgaben nicht durch Künstliche Intelligenz lösen lassen und viel besser durch herkömmliche Methoden gelöst werden können. Andere Probleme können jedoch ausschließlich durch KI gelöst werden, die aber immer einen gewissen Zweck erfüllen muss, bei dem der/die Endnutzer*in mit seinen/ihren Fähigkeiten eine Grundvoraussetzung ist.

Wie kann modernes Quanten-Computing eine KI in Zukunft unterstützen?

Quantencomputer sind weitaus mehr als nur ein Hype. Innovative Technologien mit bislang undenkbaren Rechenleistungen bieten ein Potenzial, das sich für KI nutzbringend einsetzen lässt. Es gibt bereits heute Untersuchungen für maschinelles Lernen, die Prognosen dafür liefern, wie Quantencomputer-Modelle ganz andere prinzipielle Fähigkeiten liefern, wie sie mit heutigen Standardmodellen denkbar sind. Zukunftsaussichten sind zwar immer schwierig, aber unbestritten ist, dass KI Anwendungen unseren Alltag immer mehr durchdringen werden. Das könnte durchaus so weit gehen, dass z. B. Kontaktlinsen uns den Namen unserer Gesprächspartner*innen einblenden können, noch bevor wir nach ihnen mit unserem Smartphone recherchiert haben. Das klingt heute zwar noch ein wenig utopisch, aber nicht unrealistisch, wenn man die Weiterentwicklungen der KI betrachtet. Es sind viele kleine Dinge, die sich mittelfristig durch den Einsatz von KI verändern werden. Eine prinzipielle Veränderung des Alltags und der Arbeitswelt wird KI jedoch nicht mit sich bringen.

Welche Probleme unserer Welt wird Künstliche Intelligenz lösen können?

Man wird durch KI gewisse Anlagen optimieren können, die z. B. dazu beitragen, den CO2-Gehalt in der Atmosphäre zu reduzieren. Aber gerade dieses Themenfeld zeigt auch die Grenzen der KI auf. So wird es nicht möglich sein, einen KI-Algorithmus zu entwickeln, den man mit Wetterdaten füllt und als Ergebnis wird dann die heilsbringende Lösung für unsere Klimaprobleme ausgeworfen. Eine solche Lösung wird es nicht geben, denn eine KI benötigt eine klar definierte Eingabe und genauso eine klar definierte Ausgabe. Für das Klimaproblem wäre ein solche Input viel zu allgemein gehalten, um daraus politische Entschlüsse ableiten zu können. Aber bei dem Vorhaben, effizientere Windturbinen zu bauen oder den Energietransport zu optimieren, kann Künstliche Intelligenz essenzielle Unterstützung liefern. Technologie allein kann unsere Probleme nicht lösen, da ist definitiv der Mensch gefragt.

KI und Datenschutz im Gesundheitswesen - ein Problem?

In einem Workshop fiel kürzlich das Zitat: "Datenschutz ist für gesunde Menschen." Datenschutz ist eine sehr wichtige Angelegenheit, und um sich durch viele Formulare zu kämpfen, um an wichtige Daten zu gelangen, die für die Bekämpfung von seltenen Krankheiten wichtig sind, ist ein Problem für sich. Menschen soll geholfen werden können, und dafür sind frei verfügbare Daten unabdingbar. Zum Glück besteht heute eine große Bereitschaft zum Datenaustausch zum Zwecke der Forschung, gerade um das Leid von Menschen zu vermindern. Datenschutz soll und muss eine gewisse Priorität genießen, aber die Ziele, die Gesundheit der Menschen zu erhalten, gerade auch in speziellen Einzelfällen, sollte einen Datenzugriff, der Menschenleben retten kann, möglich machen.

Wir bedanken uns recht herzlich für das Interview bei Prof. Dr. Carsten Ullrich – sowie auch sein Engagement beim Thema Bekämpfung seltener Krankheiten sowie Wissenstransfer zu Künstlicher Intelligenz

Titelbild: © Carsten Ullrich und k+k information services GmbH, 2022

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