von Mathias Seipel, AR-Entwickler bei k+k

Die smarten Brillen der Zukunft

Teil 1 VR-Brillen im Vergleich

VR, AR und MR-Brillen sind keine Weltneuheit, doch sie gewinnen immer mehr an Bekanntheit und die Anwendungsgebiete der Brillen und deren Technologie wachsen stetig. Auch preislich wird die Hardware immer attraktiver und so auch für die Massen tauglich. Gepaart mit den Möglichkeiten, die sich hinter der Technologie verbergen ist das Grund genug sich den Markt genauer anzuschauen und die aktuellen Modelle zu vergleichen.

Was sind die Unterschiede bei VR-, AR- und MR-Brillen?

Grundsätzlich wird hier die “Immersion” der verschiedenen Technologien unterschieden. Unter Immersion versteht sich das "Eintauchen" oder "Versinken" in eine virtuelle Welt.

VR = Vollständige Immersion: Ausschließlich digitale Inhalte, ohne die reale Welt wahrzunehmen.
MR = Teilweise Immersion: Anreicherung der realen Umwelt mit digitalen Inhalten. Inhalte korrelieren mit natürlichem Umfeld des Nutzers. Steuerung mit natürlichen Bewegungen.
AR = Teilweise Immersion: Anreicherung der realen Umwelt mit digitalen Inhalten. Steuerung der Inhalt über das Anzeigegerät (z.B. Smartphone, Tablet).

In dieser Serie schauen wir uns Beispiele aus den unterschiedlichen Bereichen an und geben Auskunft über ihre Ausstattung und Anwendungsgebiete.

VR-Brillen im Vergleich

Mit VR-Brillen taucht der Nutzer in eine vollständige Immersion ein, d.h. er taucht vollständig in eine computergestützte digitale Welt ein, ohne das reale Umfeld wahrzunehmen. Zur Steuerung innerhalb dieser virtuellen Welt werden vorzugsweise externe Geräte wie Controller für z.B. die Hände genutzt, die die realen Bewegungen in die virtuelle Welt spiegeln, um in dieser zu interagieren. Was die Brillen können und worin die Unterschiede liegen, wollen wir im Vergleich zweier Brillen zeigen. Der Oculus Quest 2 und die Valve Index VR.

Die Oculus Quest 2 von Facebook

Die Brille besitzt vier Kameras und zwei Controller. Das Tracking ist, wie auch bei der Quest 1, sehr gut. Bei Spielen gibt es kaum noch Aussetzer. Zusätzlich wurden diverse ergonomische Anpassungen an den Controllern vorgenommen. Diese sind etwas größer und bieten mehr Platz für die Finger, allerdings geht dies zu Schulden der Griffigkeit und der Controller rutscht etwas leichter aus den Händen. Die Batterieeffizienz ist auch gestiegen, wodurch der Controller länger durchhält. Die VR-Brille kann im Gegensatz zum Vorgänger die Augenpositionen frei zwischen 58-72 mm justieren.
Der Sound hingegen ist weniger kraftvoll als beim Vorgänger. Wer nicht zu viel Wert auf die Geräuschkulisse legt und ein offenes Ohr für die Umgebung hat, dem werden die integrierten Lautsprecher reichen. Alternativ kann über die 3,5” Klinkenbuchse auch ein externes Headset genutzt werden.
Oculus Link verbindet die VR-Brille direkt mit dem PC und sendet ein natives Bildsignal, was bei technischen und grafischen Spielen deutliche Vorteile schafft und ermöglicht die volle Pracht des Spiels zu nutzen.

Grundsätzliche eignet sich diese VR-Brille für all diejenigen, die eine günstige VR-Komplettlösung mit klarem VR-Bild suchen, um ohne Kabelsalat PC-VR-Spiele zu spielen. Wichtige ist hier zu erwähnen:
Wenn du nicht für das Produkt zahlst, dann bist du nicht der Kunde. Du bist das Produkt.“
Hinter der Oculus verbirgt sich Facebook, welches von den gewonnenen Daten lebt, die z.B. für personalisierte Werbung verwendet werden.

Die Oculus Quest 2 ist nichts für Dich, wenn

  • Du nichts mit Facebook und Accountzwang zu tun haben willst,
  • Du kein teures Zubehör für besseren Komfort und längere Laufzeit investieren willst oder
  • Du schnell Schwindelgefühle bekommst.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es aktuell keine bessere und schnellere Art gibt, in Virtual Reality einzutauchen als mit der Oculus Quest 2. Die Brille ist derzeit als Komplettpaket völlig konkurrenzlos und – vor allem beim Preis – eine lohnende Investition.

Datenblatt:

  • Preis: ab ca. 349€
  • Auflösung: 1832 x1920 pro Auge
  • Bildfrequenz: 72/90/120 Hz
  • Sichtfeld: 95°
  • Interpupillardistanz (IPD): Zwischen 58 mm und 70 mm einstellbar
  • Gewicht: 516 g
  • Anschlüsse: Wifi, Bluetooth, USB C 3.0

Sonstiges:

  • Auch für Brillenträger mit Abstandshalter
  • Audio Integrierte Lautsprecher/ Klinke/ Mikrofon
  • 4 Kameras

Die Valve Index VR

Die VR Brille von Valve findet größtenteils im Gaming Bereich Verwendung. Sie wird durch zwei Controller mit jeweils 87 Sensoren erweitert. Die Controller verfügen über haptisches Feedback, welches ein besseres VR Erlebnis liefert. Die Brille wiegt 490 Gramm und hat zwei Off-Ear Lautsprecher, die das Eintauchen in die virtuelle Welt verstärken. An der Unterseite kann der Abstand der Augen zwischen von 58 mm bis 70 mm manuell variiert werden. Im Gegensatz zur Oculus Quest 2 mit integrierten Lautsprechern kann die Valve Index mit schwebenden Lautsprechern über den Ohren ein erstaunlich besseres Klangerlebnis schaffen. Gleichzeitig kann die Brille einfach aufgesetzt werden, ohne sich Gedanken über die Kopfhörer machen zu müssen.
An der Front befinden sich Kameras für den Passthrough-Modus. Der wichtigste Unterschied zur Oculus Quest ist jedoch, dass es sich um eine kabelgebundene Lösung mit fünf Metern Kabellänge handelt. Eine kabellose Variante gibt es bisher nicht.
Der Tragekomfort ist bei der Valve Index deutlich höher als bei Oculus Quest 2. Der Kopfgurt ist schnell an verschiedene Kopfformen anpassbar, ohne dafür teures Zubehör kaufen zu müssen. Außerdem ist die eigentliche VR-Hardware vor den Augen hochklappbar. Auch Brillenträger können die Valve Index tragen. Allerdings kann es bei großen Brillengestellen unbequem werden. Die Bildschärfe ist zwar etwas brillanter und schärfer, allerdings schwächelt das Model bei den Farben, Kontrasten und einem nicht optimalen Schwarzwert.

Die Controller sind im Gegensatz zur Oculus Quest 2 in der Lage, Fingerbewegungen und sogar Griffstärke wahrzunehmen. Zusätzlich sind die Controller an den Händen mit einem Band für optimale Sicherheit festgezurrt. Damit ist es dann auch möglich, Gegenstände in einer natürlichen Bewegung zu werfen, ohne Angst haben zu müssen, dass der Controller an der Wand zerschellt. Die Controller sind mit 299€ kein Schnäppchen, bieten aber einen deutlichen Mehrwert zu den Vorgängern (Vive Wands) oder den Oculus Touch.

Das komplette Set kostet zusammen 1079 €. Die Brille allein kostet 539 € und ist mit Controllern ab 799€ zu bekommen.

Datenblatt:

  • Preis: ab 539€ (ohne Kontroller)
  • Auflösung: Duale 1440 × 1600 LCDs
    Vollständiges RGB pro Pixel
    Hintergrundbeleuchtung mit geringem Nachleuchten (330 µs bei 144 Hz)
  • Bildfrequenz: 90/120/144 Hz
  • Sichtfeld: 135°
  • Interpupillardistanz (IPD): Zwischen 58 mm und 70 mm einstellbar
  • Gewicht: 490 g
  • Anschlüsse: 5 m Verbindungskabel, 1 m Dreifachverbindung, USB 3.0, DisplayPort 1.2, 12 V Stromversorgung

Sonstiges:

  • Ergonomische Anpassungen: Kopfgröße, Linsenabstand, IPD, Gesichtswinkel, Lautsprecherpositionen
  • Ortung: SteamVR-2.0-Sensoren
    Kompatibel mit Basistationen für SteamVR 1.0 und 2.0
  • Lautsprecher: 37,5 mm Off-Ear Balanced Mode Radiators (BMR)
    Schalldruck: 98,96 dbSPL bei 1 cm
    Kopfhörer-Klinke: 3,5 mm
  • Mikrofon: Doppelte Mikrofonanordnung
  • Kameras: 960 × 960 Pixel Stereokamera
    Global Shutter
    RGB (Bayer)

 

Fazit

VR-Brillen ermöglichen es Dir, eine im wahrsten Sinne des Wortes eine „Neue Welt“ zu betreten. Dank der Technologie stehen Dir die verschiedensten virtuellen Realitäten offen. Auch wenn aktuell die Spielebranche Haupteinsatzgebiet der Technologie ist, gibt es auch viele weitere Einsatzmöglichkeiten, z.B. für digitale Reisen oder bei der Besichtigung einer Immobilie.  

Titelbild ©  Дмитрий Киричай, adobe.stock.com

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