von Pascal Lottman, k+k Akademie

#Bildung: Digitalisierung eines alten Systems

Bildung – Digitalisierung eines alten Systems

Eine kritische Betrachtung eines Lernenden

Zu meiner Schulzeit wurden Aufgaben quasi per Overhead-Projektor an die Wand „geworfen“. Schon damals war es üblich, Inhalte aus einem „älteren“ Medium, wie einem Buch, mittels Kopierer 1 zu 1 auf eine Overhead-Folie zu übernehmen. Der Einsatz einer „modernen Technik“ also. Die damit einhergehenden Probleme, wie z.B. die Leserlichkeit, wurden derzeit dieser „verdammten neuen Technik“ zugeordnet.

Anstatt neue Inhalte für neue Medien zu generieren, wird gerne kopiert was bisher funktioniert. Auch heute noch werden häufig dieselben veralteten Inhalte über „coole“, neue Medien – wie beispielsweise 90 Zoll-Bildschirme – abgebildet. Man nennt das dann „Digitalisierung der Bildung“, dass Digitalisierung aber auch die komplette Aufbereitung der Informationen bedeutet, wird oft ignoriert.

Didacta – Eine Messe für die Bildung

Vergangene Woche besuchten wir die didacta Bildungsmesse 2019 in Köln. Wie bei jeder Messe, stellt man sich nach kurzer Zeit die Frage, wer von einer solchen Messe eigentlich profitiert. Da wären einerseits die Anbieter und andererseits die Lehrenden, die nach Möglichkeiten suchen, neue Medien und Technologien möglichst Sinn stiftend in ihre bestehenden Strukturen zu integrieren. Über 900 Unternehmen aus 53 Ländern, die vor allem an Gesprächen mit ihrer Zielgruppe und an neuen Geschäftskontakten interessiert sind.  Gleichzeitig erhoffen sie sich, eine möglichst große Bandbreite dieser neuen Lösungen vorzufinden.

Doch fehlt da möglicher Weise nicht noch jemand? Wie steht es um die Lernenden, die später die von den Anbietern angepriesenen und durch die Lehrenden angeschafften Produkte und Inhalte vorgesetzt bekommen? Erstaunlicherweise bildeten diese eine überraschende Minderheit unter den Messebesuchern.

didacta DIGITAL – im Zentrum der Digitalisierung

„Lernende“ waren unter den rund 100.000 Besucherinnen und Besuchern kaum vertreten. Und das stimmte uns nachdenklich. Vor allem vor dem Hintergrund, dass aktuell der „Digitalpakt Schule“ auf den Weg gebracht wird, mit dem Bund und Länder für eine bessere Ausstattung der Schulen, mit digitaler Technik, sorgen möchten.

Da ist es nicht verwunderlich, dass auch in diesem Jahr die Digitalisierung der Bildung im Fokus stand. Unter dem Titel „Didacta DIGITAL“ widmeten die Veranstalter eine von vier Messehallen diesem Thema.

Insgesamt präsentierten 150 Unternehmen ihre digitalen Angebote für Unterricht und Erziehung.

Digitalisierung der Bildung – ist kein Kinderspiel!

Es wirkte ernüchternd, als man durch die Hallen lief. Gefühlt jeder Anbieter – vom Verlag über Soft- und Hardwarehersteller bis hin zur Bundeswehr – wirbt mit der Digitalisierung. Doch was genau wird denn digitalisiert? Und stiftet es einen tatsächlichen Mehrwert? Die Veranstalter sind jedenfalls der Überzeugung, dass der sinnstiftende und gewinnbringende Einsatz digitaler Bildungsangebote erlebbar ist bzw. war.

Doch betrachten wir den Hype um die Digitalisierung mal etwas genauer, fällt folgendes auf: Es wird ein offensichtlich nicht perfektes Bildungssystem durch die „Digitalisierungs-Waschstraße“ gefahren, so unsere Wahrnehmung. Was ist der Mehrwert, fragen wir uns? Das mehr oder weniger alte Bildungssystem – aber mit subventionierter technischer Ausstattung? Wir haben mehr erwartet.

Digitalisierung um jeden Preis?

Natürlich mag das etwas pessimistisch klingen, daher sei an dieser Stelle gesagt, dass die gesehenen Ansätze auch hoffen lassen. Durch Lern-Apps für Schülerinnen und Schüler, Online-Erklärvideos zum immer wieder anschauen und Tablets, mit denen die Lernenden auf Wissen aus aller Welt zugreifen können. Dadurch lässt es sich sicherlich besser oder leichter lernen.

Doch ist dies das tatsächliche Potential? Es scheint so, als würde das digitalisiert werden, was am einfachsten geht, um schnell auf dem Digitalisierungs-Zug mitfahren zu können und Gelder dafür abzugreifen.

Wir gewinnen zunehmend den Eindruck – Bildungseinrichtungen rüsten Technologien auf, um die alten, analogen Inhalte jetzt in ähnlicher Form auf einem 84-Zoll-Bildschirm anzeigen zu können. Derselbe Bildschirm, der vermutlich den Stundenplan vor dem Lehrerzimmer anzeigt, welcher zuvor analog ausgehängt wurde. Uns fehlt eindeutig der Mut, die Sinnhaftigkeit, die auf der Strecke bleibt.

Und wenn wir schon alles digitalisieren, können wir uns nicht noch über die Sinnhaftigkeit dessen unterhalten, was Jahre lang gemacht und eingeschliffen wurde.

What’s missing: Innovations- und Entdeckergeist!

Also woran fehlte es? Es fehlte uns an Innovations- und Entdeckergeist. Die ansprechendsten Vorträge und Stände waren diejenigen, an denen Inhalte und Lösungen vorgestellt wurden, die mit den Lernenden zusammen entwickelt wurden. Wo eben nicht aus Sicht der Lösung gedacht wurde, sondern aus Sicht des Problems. Abseits vom Zwang das bestehende System zu digitalisieren, sich ein verbessertes System vorzustellen und darin analoge und digitale Lösungen Nutzen stiftend einzusetzen.

Bspw. Wirtschaftsunternehmen greifen auf moderne Methoden wie das Design Thinking zu. Ein Ansatz, der dazu dient sich der Lösung eines Problems aus Nutzersicht zu nähern. So kann festgestellt werden, ob eine gedachte Lösung überhaupt gewünscht ist. Darüber hinaus betrachtet Design Thinking natürlich auch die technologische Machbarkeit und die wirtschaftliche Tragfähigkeit.

In der Bildung sind „die Kunden“ die Lernenden. Und genau mit ihnen sollte man sich in Workshops zusammensetzen und mithilfe ihres Feedbacks Wünsche und Bedürfnisse herausarbeiten.

Design Thinking ist natürlich nicht die Wunderlösung. Da es am Ende aber immer darum geht, neue Dinge auszuprobieren und das Scheitern einer Idee als Chance zu verstehen, möchte ich an dieser Stelle dazu aufrufen, es zu versuchen.

Jetzt kann man sich sicher fragen, warum sich ein System aktuell von einer Industrie vorgeben lässt was das vermeintlich Beste für einen selbst ist. Statt sich selbst mit seinen Problemen zu beschäftigten und festzustellen, welche Lösungen es benötigt.

Rückt das System aktuell mit der Geschwindigkeit der Digitalisierung an den Rand seiner Leistungsfähigkeit?

What’s next?

Warum hält man nicht für einen Moment inne und besinnt sich darauf, was die Digitalisierung wirklich bewirken soll. Dazu brauchen Lehrende die Freiheit, mit ihren Schülerinnen und Schülern/Studierenden nachzudenken, wie die Technik sinnvoll eingesetzt werden kann. Die Zukunft erfordert Mut, diese Wege zu gehen und „Out-of-the-Box“ zu denken. Warum? Um wirklich innovative Veränderungen zu planen und zu entwickeln.

Um diesen Freiraum zu schaffen sollte Druck aus dem System genommen werden, Lehrpläne müssen verschlankt werden, statt durch neue, von der Industrie geforderte, Kompetenzen aufgebauscht zu werden. Die Verantwortung der Politik darf nicht damit enden, Gelder für neue Technik zur Verfügung zu stellen. Sie muss beginnen Raum für Überlegungen über Veränderung und Neustrukturierung zu schaffen

Sie sollte den Dialog zwischen ALLEN Beteiligten – nicht nur den Vertretern der Industrie und den Entscheidern der Bildungseinrichtungen – fördern. Damit die Digitalisierung nicht als zusätzlicher Aufwand sondern als Chance für positive Veränderungen gesehen wird.

Während diversen Diskussionsrunden auf der didacta hatten wir den Eindruck, dass zu viele Beteiligte abwarten und zusehen, während sich das System um sie herum längst verändert. Doch Gelegenheiten müssen aktiv ergriffen werden und nur diejenigen Einrichtungen, die sich entschieden haben pro aktiv eigene Lösungen zu entwickeln (und auch mal mit Ideen zu scheitern), können jetzt von ihren „Lessons-Learned“ und Best Practices berichten und profitieren.

Digitale Bildung glasklar?

Das heißt vor allem: Digitalisierung richtig angehen. Mit uns an Deiner Seite überlässt Du nichts mehr dem Zufall. Wenn es knifflig wird, finden wir die richtigen Lösungen und ebnen den Weg in Deine digitale Zukunft.

glasklare Sicht

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Kommentar von QM Beratung |

Guten Tag.

Wissen zu vermitteln ist komplex. Ob Overhead Projektor, Tafel oder Internet.
Die Digitalisierung hilft es den Know-how Transfer schneller zu vollziehen und besser nachgelagert zu überprüfen.

Im übrigen stimme ich der Aussage
"Es fehlte uns an Innovations- und Entdeckergeist. " nicht zu. Zudem ist dies auch unabhängig von der Digitalisierung zu betrachten.

Antwort von Jannik Schubert

Danke für Ihr Feedback. Völlig richtig: das Wissen zu vermitteln ist bei weitem nicht einfach. Wir denken auch, dass Digitalisierung hilft, das Wissen besser und nachhaltiger auszutauschen.  Es ist wichtig, sich darüber Gedanken zu machen, wie man "richtig" digitalisiert, damit sich auch ein Mehrwert daraus ergibt.
 
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