von Olaf Schmidt, Geschäftsführer, k+k information services GmbH

Automotive Goes Blockchain

automotive goes blockchain

Der Automotive Sektor wird in den kommenden Jahren mehr Veränderungen erleben als in den vergangenen Jahrzehnten zusammen. Die gesamte Branche arbeitet aktuell mit Hochdruck an Themen wie Elektromobilität, autonomen Fahren, Entwicklung von digitalen Dienstleistungen und Digitalisierung von Geschäftsprozessen.

Das beispiellose Tempo dieses digitalen Wandels zeigt keine Anzeichen einer Verlangsamung – eher im Gegenteil. Vor allem der Trend von hardwaregetrieben Geschäftsmodellen hin zu digitalen Unternehmenskonzepten, wird die Umsatzströme drastisch verändern.

Mehrere Studien prognostizieren, dass datenbasierende Geschäftsmodelle in der Automobilbranche in ein paar Jahren ein Volumen von mehr als 100 Milliarden erreichen wird – ein Großteil davon durch Datenhandel. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Blockchain-Technologie.

Die Blockchain als Basis

Auf Basis der Blockchain-Technologie entsteht die Möglichkeit, manipulationssichere und robuste Datenbanken zu erstellen, die nur von Berechtigten gelesen und aktualisiert werden können. Das bedeutet, die Blockchain ist idealerweise dazu geeignet, um hochsensible Daten zu speichern bzw. zu verifizieren. Wenn die in der Blockchain gespeicherten Daten, dann noch intelligent verarbeitet werden, wird das großen Mehrwert und Komfort in unser mobiles Leben bringen.

Die Blockchain-Technik ist in der Lage vier der wesentlichen Probleme zu lösen:

  1. Die Daten sind verschlüsselt
  2. Blockchain-Protokolle bieten Manipulationssicherheit durch weltweite (ggf. auch öffentliche) Register
  3. Daten und Modelle können wie geistiges Eigentum verwendet und entsprechend monetarisiert werden
  4. Man ist in der Lage die eigenen Daten zu kontrollieren

 

Die Blockchain Segmente im Automotive

Erfahrungsgemäß beginnen die Automobiler mit den Produktionsprozessen und deren Effizienz. So sind die ersten Blockchain-Projekte auch in der Optimierung der Prozess- und Logistikkette entstanden. Heute ist eine Vielzahl von Projekten in Bearbeitung, die sich grob in drei Kategorien einteilen lassen:

Segment 1: Dezentrale Register

Die für jedes Fahrzeug erfassten Daten und Informationen sind während des gesamten Lebenszyklus des Fahrzeugs in dezentralen Registraturen abgelegt und transparent abrufbar. Aspekte wie z.B. Reparaturhistorie, Nachvollziehbarkeit von Software-Updates, Besitzerhistorie und vieles mehr sind transparent verfügbar.

Segment 2: Data Compliance

Zuverlässige Konnektivität und Datenintegrität ist die Grundvoraussetzung um die hochgradig computerisierten Fahrzeuge mit aktuellen Softwareständen zu versorgen und den ein- und ausgehenden Datenverkehr abzusichern. Die Blockchain-Technik löst dabei eines der grundlegenden Probleme des Internets von heute: die Sicherheit.

Daten, die in einer Blockchain gespeichert sind, gelten durch die kryptographische Verkettung als sicher. Die Blockchain-Datenbanken halten alle Informationen in einem verschlüsselten Zustand. Das bedeutet, dass nur die privaten Schlüssel - einige Kilobyte Daten - sicher aufbewahrt werden müssen, damit alle Daten in der Blockchain sicher sind.

Eine Blockchain ist hierbei in der Lage die Automotive-Systeme vor böswilligen Attacken von außen abzuschirmen. So wird vor jeder Aktualisierung, die Quelle überprüft und das Vertrauen geschaffen, d.h. die Integrität der übertragenen Daten sichergestellt bevor die Übertragung einleitet wird.

Segment 3: Datenübertragung und Abrechnung

Die Vielzahl der im Prozess beteiligten Systeme müssen in die Lage versetzt werden, automatisch Daten auszutauschen und abzurechnen. Dies ist die Grundlage um auf der einen Seite eine Vielzahl von Mehrwertdiensten „on demand“, also auf Abruf zur Verfügung stellen zu können.

Auf der anderen Seite werden diese Mechanismen benötigt, um die im Fahrzeug erhobenen Daten auf „Datenmarktplätzen“ monetisieren zu können. Z.B. im Hinblick auf Mietmodelle und autonome Transportmittel erwarten wir steigenden Bedarf, in der Funktionen und Dienste in zunehmender Weise „on demand“ zur Verfügung gestellt und über Mikrotransaktionen abgerechnet werden.

Das Automobil im Zentrum der modernen Datenwirtschaft

Die Fahrzeuge der Zukunft erzeugen nicht nur riesige Datenmengen, sondern sind selbst riesige Datenerfassungsgeräte. Diese vom Fahrzeug erzeugten und erfassten Daten sind das Herzstück künftiger Geschäftsmodelle im Mobilitätsökosystem. Die Daten werden dabei sicher ausgetauscht und kontrolliert im gesamten System zur Verfügung gestellt.

Bei Daten, die von den Fahrzeugen erhoben und erzeugt werden, haben die Automobilhersteller die exklusive Datenhoheit. Zusätzlich erheben die Fahrzeughersteller eine Vielzahl von Daten über Nutzung, Käuferverhalten, Trends, etc. über div. sozialen Medien und anderen Plattformen. Diese Daten werden anschließend kombiniert und ausgewertet.

Die Hersteller bewegen sich zunehmend auf schwierigem Terrain, denn die aktuellen Datenschutzrichtlinien verschärfen die aktuelle Vorgehensweise kontinuierlich. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass bei einer Vielzahl von ersetzenden bzw. weiteren nutzbaren, externen Daten, die Hersteller um den Zugang und Nutzung konkurrieren.

Die Erwartung ist, dass basierend auf der Blockchain-Technologie aufsetzende Datenmarktplätze entstehen, wo die Daten dann monetisiert und distribuiert werden.

Anwendungen: Stand heute

Die Automobilindustrie hat den Wert der Blockchain-Technologie erkannt und geht davon aus, dass diese technologische Lösung ein Mittel zur Sicherung der zwischen Fahrzeug, Infrastruktur und anderen Systemen übermittelten Fahrzeugdaten sein wird.

Die Bandbreite reicht von der kartenlosen Kraftstoff- oder Energie-Befüllung über das Infotainment bis hin zu Software-Updates für Fahrzeugsysteme sowie die lückenlose Dokumentation der Fahrzeughistorie. Ziel ist es die sensiblen Informationen der Fahrer und Nutzer sicher zu halten.

In einer Studie der Beratungsgesellschaft „Simon Kucher & Partners“ wurde erhoben für welche digitalen Zusatzdienste eine Zahlungsbereitschaft der Kunden besteht.

So hat man herausgefunden, dass die Bereitschaft der Kunden für die Grundfunktion, dass ein Auto selbstständig und in Echtzeit „Micropayments“ für z.B. Parkautomaten oder Maut, bis zu 6 Euro im Monat bezahlen würden. Ebenso ist die Zahlungsbereitschaft mit 10 Euro im Monat für die Möglichkeit durch Echtzeitdatenauswertung auf freien Straßen zu fahren, hoch.

Diese Beispiele zeigen, dass das Potential über neue, blockchainbasierte Geschäftsmodelle neue Einnahmequellen zu generieren groß ist.

Aktuelle Kooperation und Projekte

Porsche z.B. arbeitet mit Gapless zusammen, um Besitzern historischer Fahrzeuge den kompletten Lebenslauf ihrer Fahrzeuge fälschungssicher in der Blockchain anbieten zu können. Ebenso kooperiert Porsche mit XAIN um eine Art Blockchain-Betriebssystem in das Fahrzeug zu bringen. Darüber kann z.B. anderen Nutzern als dem Eigentümer, befristeter Zugang zum Fahrzeug gestattet werden.

VW arbeitet beispielsweise mit der Berliner IOTA Stiftung an einem „Digital CarPass“ mit dem Ziel eine zuverlässige und sichere Fahrzeugdatenerfassung zu gewährleisten sowie um Software-Updates zuverlässig bereitstellen zu können. Die Markteinführung ist für dieses Jahr geplant. Weiterhin arbeitet VW an einer Blockchain-basierten Lieferantenanbindung um Fahrzeugteile vom Produzenten bis zum Kunden hin verfolgen zu können.

BMW arbeitet mit VeChain Thor an einer Blockchain-basierten Lieferkette und Mercedes hat das Blockchain-basierte Anreizsystem „Mobicoin“ zum umweltschonenden Fahren entwickelt.

Fazit

Die Verbindung von Blockchain- und Automobiltechnologien bietet spannende Lösungen für einige der aktuell drängendsten Automobilfragen - insbesondere für die zunehmende Vernetzung aller Beteiligten im Automobilgeschäft. Stand heute wird die Blockchain-Technologie Innovationen und Lösungen im gesamten automobilen Ökosystem vorantreiben. Ja, wir erleben bereits jetzt das Entstehen einer Blockchain-Automobilindustrie.

In einem weiteren Beitrag werden wir die 10 wichtigsten Einsatzmöglichkeiten der Blockchain-Technologie im Automotive Business beschreiben.

 

Titelbild: © Oli Woodman, unsplash.com
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